Offiziell: SV Aegir krönt 20. Kreisklassensaison mit Meisterschaft

Freitag, den 10.08.2012
Es dürfte einmalig im Wasserballsport sein, dass eine Mannschaft 20 Jahre hintereinander in der untersten Spielklasse antritt. Die Wasserballer des SV Aegir Arnsberg haben in der abgelaufenen Saison dieses Kunststück fertig gebracht. Und zur Krönung des Ganzen haben sie auch noch erstmals den Kreisklassentitel ge-wonnen.
"Das besondere an dieser Mannschaft ist immer schon gewesen, dass nicht der sportliche Erfolg, sondern der olympische Gedanke und der Spaß am Wasserball-sport im Vordergrund standen" erklärt Richard Ademmer, seit mehr als 20 Jahren Wasserballwart des SV Aegir. "Wir haben in den 20 Jahren viele Vereine gesehen, die wegen Erfolglosigkeit ihre Mannschaft zurückgezogen haben. Unsere Spieler haben hingegen nie den Spaß verloren, auch wenn sie lange Durststrecken durchzustehen haben. Darauf sind wir stolz".
Dass gerade die ersten Jahre für die Arnsberger schwierig waren, liegt daran, dass die Trainingsmöglichkeiten seit der Wiederauferstehung des Wasserballs in Arnsberg im Jahr 1991 die mit Abstand schlechtesten des ganzen Bezirks Südwestfalen waren. Das hat sich durch den Umzug ins NASS nochmals deutlich verschlechtert. "Wir haben nur noch 1 Stunde Training in der Woche und das auch noch um 21 Uhr. Jegliche Jugendarbeit ist damit unmöglich" klagt Christoph Löher, seinerseits selbst Wasserballer und der Spieler mit den meisten Einsätzen und seit mehr als 7 Jahren auch Vorsitzender des Vereins. Anders als in anderen Vereinen rekrutiert der SV Aegir seine Spieler nicht nur aus dem Schwimmbereich, sondern jeder, der will, kann mitmachen und auch gleich den Anschluss finden. "Wir mussten anfangs eine Entscheidung treffen. Gehen wir die Sache mit großem sportlichen Ehrgeiz an, oder stellen wir den Spaß in den Vordergrund und ermögli-chen damit auch solchen, die nicht vom Schwimmsport kommen und völlige Anfänger sind, bei uns mitzuspielen?" erläutert Richard Ademmer die damaligen Weichenstellungen. "Wir haben es richtig gemacht. Auch der blutigste Anfänger kommt bei uns innerhalb kürzester Zeit zu Spieleinsätzen und genau das bewirkte, dass alle den Spaß behielten, auch wenn es gerade in der Anfangszeit Niederlagen geradezu hagelte." Und das ist sicher nicht übertrieben. Erst im zweiten Jahr gab es überhaupt mal einen Sieg und nach 9 Jahren standen 11 Siegen gleich 96 Niederlagen gegenüber, viele davon mit rund 20 Toren Differenz. Gleichwohl genossen alle den Wasserballsport und so ist es nicht verwunderlich aber dennoch bemerkenswert, dass gleich 7 Spieler des aktuellen Kaders schon 1992 mit ins Wasser sprangen.
Vor einigen Jahren hatte Arnsberg das Glück, mit Evgeniy Belov einen ehemaligen usbekischen Nationalspieler für sich zu gewinnen, dem die positive Stimmung des Teams so gut gefiel, dass er trotz zahlreicher Angebote nicht zu einer stärkeren Mannschaft wechseln wollte. Seitdem profitiert der SV Aegir nicht nur von seiner Spielklasse, sondern auch davon, dass alle Spieler von seiner Spielübersicht und seinem Teamgeist lernen und sich dadurch selbst verbessern. Und das führte dazu, dass sich die Mannschaft auch sportlich weiterentwickelte. Mittlerweile hat der SV Aegir in der Kreisklasse 233 Spiele bestritten und davon 60 gewonnen. 2008 gelang als Tabellenzweiter sogar der Aufstieg in die Bezirksklasse und es wurde sofort eine 2. Mannschaft gemeldet, die weiter in der Kreisklasse spielte. In der abgelaufenen Saison trat Arnsberg dann wieder nur noch mit einer Mannschaft an. Der Kader war groß und stark wie nie, mit Nikolaas Gerkos stieß ein erfahrener Spieler aus Grie-chenland hinzu und so gelang am Ende das, was niemand für möglich gehalten hatte. Mit 9 Siegen aus 10 Spielen und einer unglaublichen Torausbeute von 160:68 Treffern blieb der SV Aegir vom ersten bis zum letzten Spieltag an der Tabel-lenspitze und darf sich nun erstmals "Meister" nennen. Im nächsten Jahr soll vielleicht wieder eine 2. Mannschaft gemeldet werden. Der Aufstieg macht es möglich. "Entscheidend ist: Es wird nach wie vor jeder zum Spielen kommen, egal wie gut. Hauptsache, es macht allen Spaß" blicken Ademmer und Löher nach vorne. Es wäre dann die 21. Kreisklassensaison am Stück. Und wird der Titel mit einer zweiten Mannschaft auch nicht verteidigt werden können, reicht es für die erste vielleicht zum Klassenerhalt in der Bezirksliga. Das wäre ein ebenso großer Erfolg. Die Geschichte kann weiter gehen.
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Erstellt von Evgeniy Belov